Wenn Niederlagen anstacheln

06.03.2011 00:00

Joey Kelly berichtete Jugendlichen von seinem Lebensweg

Langfristiger Erfolg braucht Nachhaltigkeit: Unter diesem Motto steht das Projekt „Hauptschul-Power“, das seit drei Jahren junge Menschen auf dem Weg ins Berufsleben unterstützen will. 300 ehemalige Teilnehmer waren am Samstag zu einem Aktiv-Tag eingeladen, 100 meldeten sich an, rund 50 kamen – und durften den Musiker und Extremsportler Joey Kelly live erleben.

„Stillstand ist Rückschritt“, lautet die Devise des 38-Jährigen. Und: „Mein Fundament besteht aus Leistung.“ Fast möchte man meinen, Joseph Maria Kelly fühlt sich zu beständiger, selbstquälerischer Höchstleistung getrieben, ja verdammt: Seit 15 Jahren sucht der dreifache Familienvater eine körperliche Extrem-Belastung nach der anderen. Den Ironman auf Hawaii etwa, den 240 Kilometer langen „Marathon des Sables“ in sechs Etappen durch die marokkanische Wüste oder den Badwater-Ultramarathon durch das kalifornische Death Valley – 217 Kilometer bei 60 Grad Celsius im Schatten.

Am Anfang stand die Erfahrung von Niederlagen. „Ich war früher ein Außenseiter, aber ich habe meinen Weg gemacht“, erzählt Kelly den 15- bis 17-Jährigen. In der legendären Kelly-Family, die einst in vollen Fußballstadien konzertierte, stand der irisch-amerikanisch-stämmige Gitarrist eher im Hintergrund: Bei einer Umfrage der Teenie-Gazette „Bravo“ zur Beliebtheit der Kelly-Mitglieder stimmten gerade einmal zwei Prozent der Fans für ihn, berichtet der 38-Jährige. Und sein erster Volkstriathlon-Versuch vor 15 Jahren, zu den ihn seine Schwester Patricia anstachelte, endete kläglich: Nach wenigen Metern im Wasser musste sich Joey Kelly ausgepumpt an einer Boje festklammern und zurückrudern.

Diese Schmach vor laufender Kamera muss grenzenlose psychische Kräfte in ihm mobilisiert haben. Fortan arbeitete Kelly daran, zu siegen. Beim Triathlon, beim Ironman auf Hawaii, beim Ultraman, in der Wüste, beim Alaska-Marathon, mit einem Deutschland-Lauf von der Nordsee bis auf die Zugspitze über 875 Kilometer. 40 Marathons, 31 Ultra-Marathons, 13 Ironman hat der 38-Jährige in den zurückliegenden 15 Jahren unter anderem bewältigt.

„Der Sport hat mir Halt und Boden gegeben“ bekennt Joey Kelly heute. Zum Beispiel für die Aufgabe als Geschäftsführer des Unternehmens „Kelly Family“, auf die er immer wieder verweist. Und ganz nebenbei lässt er erahnen, wo die eigentliche Triebfeder seiner Rekorde-Jagd verankert sein könnte: wenn er mit anscheinender Verwunderung auf einen seiner Brüder anspielt, der heute als Mönch in Frankreich lebt, oder auf seine Schwester Patricia, die eine sportliche Niete geblieben sei.

Bei all dem hat Kelly aber eine wichtige Botschaft für die (ehemaligen) Hauptschüler, die an der „Hauptschul-Power“-Veranstaltung der Erlanger „Defacto“-Gruppe teilnehmen. Wenn man anfängt, richtig zu arbeiten, kann man sehr viel erreichen, schreibt der 38-Jährige den Jugendlichen ins Stammbuch. „Chancen nutzen ist alles“ in einem so überaus friedlichen und reichen Land wie Deutschland: „Jeden Tag, wenn ich aufstehe, gibt es eine neue Chance.“

Das könnte wiederum der Leitgedanke eines Manager-Motivations-Seminars sein. Zumal wenn Kelly den Jugendlichen dann von Disziplin und Härte, von Willen und Leidenschaft erzählt. Und ihnen rät, einen Halb-Marathon in einer Zeit unter drei Stunden zu laufen, sowie zehn Mal mehr zu geben als zu nehmen.

Wie lange der 38-Jährige noch Extremsport betreiben will; und wie oft er sich schon verletzt habe, wollen sie am Ende wissen. Ob Kellys Botschaft angekommen ist?

 

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